EU und Kryptoakteure bereiten sich auf Quantenrisiken vor
Die europĂ€ischen Aufsichtsbehörden â die EBA, die EIOPA und die ESMA â warnten in einem gemeinsamen HerbstâRisikobericht, dass Fortschritte in der Quanteninformatik die Kryptographie, die Transaktionen, Kommunikation, Datenbanken und Blockchains sichert, schwĂ€chen könnten. Sie hoben die Gefahr des âharvest now, decrypt laterâ hervor: heute gesammelte verschlĂŒsselte Daten könnten in der Zukunft entschlĂŒsselbar werden, weshalb ein frĂŒher Migrationsbeginn erforderlich sei. Die EU empfiehlt den Mitgliedstaaten, bis Ende 2026 mit der PostâQuantumâMigration zu beginnen und HochrisikoâAnwendungen spĂ€testens bis Ende 2030 zu schĂŒtzen.
Der Bericht verweist auf Analysen von Google Quantum AI, wonach zum Brechen vieler in KryptowĂ€hrungen verwendeter Kryptosysteme deutlich weniger physische Qubits nötig sein könnten als zuvor angenommen â etwa ein Zwanzigstel im Vergleich zu Ă€lteren SchĂ€tzungen. Zugleich betonen Aufseher und Branchenakteure, dass heute keine Maschine existiert, die einen solchen Angriff praktisch durchfĂŒhren könnte; Angriffe liegen auĂerhalb der KapazitĂ€ten aktueller NISQâGerĂ€te. IBM stellte Ă€hnlich fest, dass fehlertolerante Quantenrechner bis zum Ende des Jahrzehnts kryptographische Relevanz erreichen könnten, ohne jedoch eine gegenwĂ€rtige âBitcoinâbrechendeâ Maschine zu behaupten.
Die messbare Exponierung von BlockchainâVermögenswerten hĂ€ngt von der Methodik ab. Ki Young Ju von CryptoQuant schĂ€tzte, dass nach seiner Rechnung etwa 6,89 Millionen BTC einer möglichen Quantenaussetzung ausgesetzt sein könnten. Glassnode kam in einer MaiâAnalyse auf 6,04 Millionen BTC, also 30,2 % des umlaufenden Bestands, deren öffentliche SchlĂŒssel onchain sichtbar sind; davon klassifizierte Glassnode 1,92 Millionen BTC als strukturell exponiert, weil bestimmte OutputâTypen den Public Key per Konstruktion offenlegen. Das bitcoinâspezifische Risiko ergibt sich daraus, dass bei einigen Adresstypen, Reuse oder frĂŒhen OutputâFormaten öffentliche SchlĂŒssel auf der Chain sichtbar werden und ein zukĂŒnftiger Quantenangreifer versuchen könnte, einen privaten SchlĂŒssel herzuleiten, ohne dass eine zusĂ€tzliche Transaktion nötig wĂ€re.
Technische VorschlĂ€ge und MigrationsplĂ€ne existieren, aber es fehlt an Konsens. BIPâ360 (PayâtoâMerkleâRootâOutputs) und BIPâ361 (Migrationspolitik) stehen im offiziellen BIPâRepository noch als Drafts; sie wĂŒrden langfristig exponierte OutputâTypen begrenzen und spĂ€ter Regeln fĂŒr ECDSAâ und SchnorrâSignaturen verschĂ€rfen, sind aber nicht aktiviert. Die Berichte betonen, dass Migration nicht nur die Wahl eines postâquantum Algorithmus umfasst, sondern auch Abstimmung zwischen Entwicklern, Minern, NodeâBetreibern, WalletâProvidern, Verwahrstellen und Börsen erfordert. Institutionelle Verwahrer bereiten sich vor: Coinbase entwickelt eine postâquantum BitcoinâCustody, die mehrere Signaturschemata unterstĂŒtzen kann, und Ledger CTO Charles Guillemet warnte, dass Migration Jahre dauern könne, weil das Ăndern von Wallets, Verwahrungen und bestehenden BestĂ€nden operativ aufwendig ist.
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Quellen
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EU warns Q-Day could arrive before quantum computers are commercially viableâ
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Q-Day Could Arrive Before Quantum Computers Are Commercially Useful, EU Warnsâ
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EU watchdogs warn quantum computers could hit blockchainsâ
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EU watchdogs warn quantum computers could pick cryptoâs locksâ