OrlenâVenezuela ĂlgeschĂ€fte und Krypto-ZahlungsprĂŒfung
Die AffĂ€re um PKN Orlen und seine Schweizer Handelsniederlassung Orlen Trading Switzerland (OTS) vereint hohe Vorauszahlungen fĂŒr Rohöl, ausgebliebene Lieferungen, Vermittler in Dubai und eine Spur zu KryptowĂ€hrungen. Berichten zufolge schloss OTS Ende 2023 einen Vertrag ĂŒber den Kauf von rund sechs Millionen Barrel venezolanischem Mereyâ16âRohöl ab und ĂŒberwies am 4. Dezember 2023 etwa 230 Millionen USâDollar an die in Dubai registrierte Hannon International Middle East DMCC. Weitere rund 100 Millionen USâDollar flossen an einen zweiten Vermittler in Dubai, Horizon Global, sodass insgesamt ungefĂ€hr 330 Millionen USâDollar an diese Firmen weitergeleitet wurden. Nur ein geringer Teil der vereinbarten Lieferungen traf letztlich ein; OTS erhielt dem Bericht zufolge Produktlieferungen im Wert von etwa 28,8 Millionen USâDollar, der GroĂteil der Ladung blieb aus.
Die Schadensbewertung und die strafrechtlichen VorwĂŒrfe variieren je nach Betrachtungsweise. Die Anklage vom 7. August fĂŒhrt drei gescheiterte VertrĂ€ge an und beziffert den behaupteten Schaden mit 378 Millionen USâDollar (etwa 1,5 Milliarden PLN); drei ehemalige Manager wurden wegen fahrlĂ€ssiger Aufsicht angeklagt und könnten bei Verurteilung jeweils bis zu 25 Jahre Haft erhalten. Umfassendere Berechnungen, die Demurrage, Leerkosten der VLCC und weitere Ausgaben einbeziehen, kommen auf ungefĂ€hr 424 Millionen USâDollar (etwa 1,6 Milliarden PLN). Die gecharterten Very Large Crude Carriers standen Berichten zufolge leer und verursachten demnach rund 72 Millionen USâDollar an Demurrageâ und Logistikkosten.
Die Rolle von KryptowĂ€hrungen steht im Fokus der Ermittlungen. Recherchen des Financial Times zufolge wurde ein groĂer Teil der 230âMillionenâDollarâZahlung an Hannon in Tether (USDT)âStablecoins umgewandelt, ĂŒber ZwischenhĂ€ndler bewegt und laut einzelnen Berichten letztlich auf USBâSticks mit WalletâSchlĂŒsseln in Hotel-Lobbys in Caracas ĂŒbergeben. Das staatliche venezolanische Ălunternehmen PDVSA habe demnach keine entsprechenden Zahlungen aus dem GeschĂ€ft erhalten; die Nutzung von USDT passt zu einer gröĂeren Verlagerung Venezuelas hin zu Stablecoins fĂŒr ĂlgschĂ€fte in Phasen, in denen USâSanktionen den Zugang zum traditionellen Bankensystem erschwerten. Die Behörden untersuchen VertrĂ€ge, Vertragspartner und GeldflĂŒsse, weisen aber darauf hin, dass die bisherigen Berichte allein nicht belegen, dass die Verwendung von KryptowĂ€hrung die kommerziellen Verluste verursacht habe.
Ein gesondertes Auslieferungsverfahren betrifft den ehemaligen OTSâChef Samer A., der im Januar 2025 in den Vereinigten Arabischen Emiraten auf Grundlage einer InterpolâFahndung festgenommen wurde; sein Fall lĂ€uft separat von der Anklage gegen die anderen drei ExâManager. Ermittler durchsuchten Unterlagen, sicherten Vermögenswerte und vernahmen Zeugen, um nachzuvollziehen, wie hunderte Millionen Dollar ĂŒber Vermittler in digitale Vermögenswerte flossen und warum der GroĂteil des vereinbarten Rohöls nie geliefert wurde.
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